Nachdem wir Klarheit darüber erlangt haben, wer Allah ist, so bleibt uns zu erkennen, was Allah von uns verlangt. Allen Geschöpfen ist es in ihr Wesen, in ihre Instinkte und in ihre Gene eingegeben, dem von Allah bestimmten Gesetz zu folgen. Der Stein fällt nach dem Gesetz der Gravität, das Allah für ihn bestimmt hat, nach unten. Der Löwe ernährt sich von dem, was Allah als seine Nahrung bestimmt hat, von Fleisch. Und so weiter.
Alle Geschöpfe erkennen, weil sie es in sich selbst besitzen – in sich installiert, um einen Begriff der Informatik zu benutzen – das Gesetz, das ihre Existenzen leitet. Und nicht nur das. Es ist ihnen auch gänzlich unmöglich, dieses Gesetz nicht zu befolgen. Allah hat sie für den vollkommenen Gehorsam entworfen. Wenn wir die Natur und den Kosmos betrachten, so sehen wir, dass alles in seinem Geschaffensein und seinem Vergehen wie ein großer Organismus in vollkommener Präzision funktioniert.

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, welches das Gesetz, das Allah für ihn entworfen hat, nicht kennt und, auch wenn er es kennt, dazu fähig ist, es zu übertreten. Dieses grundlegende Detail ist es, was die Größe und die Niedrigkeit des Menschenwesens bestimmt. Es ist seine Größe, denn – frei wie es ist, seinem Schöpfer gehorchen oder nicht – erhebt es sich, wenn es Ihm gehorcht, über die übrigen Geschöpfe, sogar über die Engel, denn diese besitzen nicht die Fähigkeit, Allah nicht zu gehorchen. „Und als Wir zu den Engeln sprachen: ‘Werft euch nieder vor Adam!’“ (Al-Baqara, 34)

Genau dies bestimmt auch seine Niedrigkeit, denn befolgt es nicht das Gesetz, das Allah für es bestimmt hat, so stürzt es tiefer als die Tiere, die sich von dem, was Allah für sie bestimmt hat, niemals lösen können: „Sie sind wie das Vieh, ja sie sind noch weiter abgeirrt“ (Sure Al-’Araf, 179).

Deshalb muss das menschliche Wesen – das jenes Gesetz, welches Er für es bestimmt hat, nicht als eigenen Instinkt in sich trägt – sobald es die Göttlichkeit, Allah, erkannt hat, suchen, Ihm zu gefallen, indem es befolgt, was Allah von ihm verlangt.

Wie also kann man wissen, was Allah gefällt und was nicht? Allah hat uns in Seiner unendlichen Barmherzigkeit durch Seine Gesandten die guten Neuigkeiten und die Warnung gebracht. Er hat uns über die Grenzen in Kenntnis gesetzt, die wir nicht überschreiten sollen und hat uns durch die Gesandten ein Vorbild des Verhaltens übermittelt, das Ihm gefällt. Das heißt, dass das menschliche Wesen von Allah durch Seine Gesandten das notwendige Wissen und die ausreichenden Regeln erhält, um das Ziel seines Schöpfungszweckes zu erreichen: Allah anzubeten. „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur erschaffen, damit sie Mich anbeten“ (Adh-Dhariat, 56)

Das Wissen über die Gesandten Allahs Nun gelangen wir zum zweiten, grundlegenden Aspekt islamischen Glaubens: das Wissen von den Gesandten Allahs. Von den edlen Gesandten Allahs muss man drei notwendige Attribute sowie die Negation ihrer Gegensätze kennen. Diese drei Attribute sind die folgenden: 1. Die Wahrhaftigkeit (As-Sidq) 2. Die Vertrauenswürdigkeit (Al-Amana) 3. Die Übermittlung (At-Tabligh) Was die Verneinung ihrer Gegensätze anbetrifft, die sich auf die Gesandten beziehen, indem sie die zuvor genannten Attribute verneinen, so sind dies: 1. Die Lüge (al-Kadhib) 2. Der Betrug (al-Dschijana) 3. Die Verheimlichung (al-Katman)

Nun untersuchen wir im Einzelnen jedes der notwendigen wie auch unmöglichen Attribute der Gesandten Allahs.

Im Hinblick auf die Wahrhaftigkeit ihrer Aussagen ist festzustellen, dass alles, was sie sagen, sich vollständig mit der Wahrheit deckt. Ihre Beweise folgen aus den Wundern, die Allah durch die Hand der Gesandten als Bestätigung der Wahrheit ihrer Aussagen erscheinen ließ. Es ist undenkbar, dass Allah jemanden Wunder tun lässt, der nicht die Wahrheit sagt. Somit muss man glauben, dass alles, was die Gesandten sagen, wahr ist. Es ist also undenkbar, dass aus ihren Mündern eine Lüge hervorgehen könnte.

Die Vertrauenswürdigkeit bedeutet in unserem Zusammenhang, die Tatsache, dass die Gesandten Allahs sich niemals dem Göttlichen Befehl verweigert haben, das heißt sie haben nie ein Verbot übertreten. Wie könnten die Gesandten etwas Verbotenes (Haram) oder Verpöntes (Makruh) tun, wenn Allah uns befohlen hat, dass wir ihnen in Worten und Taten nachstreben sollen? „Sprich: Gehorcht Allah und dem Gesandten“ (Sure Al-Imran, 32)

Wenn wir das Verhalten der Gesandten Allahs nachahmen, können wir völlig darauf vertrauen, keinerlei Betrug ihrerseits befürchten zu müssen, denn alles, was sie machen, gefällt Allah, und somit gefällt Ihm auch unsere Nachahmung der Gesandten. Allah sagt: „Sprich: ‘Liebt ihr Allah, so folgt mir; dann wird Allah euch lieben und euch eure Fehler verzeihen“ (Al-Imran, 31). Somit segnet Allah alle Gesandten ohne Ausnahme.

Was die Übermittlung betrifft, so handelt es sich hier um die Qualität, absolut alles zu übermitteln, was ihr Herr ihnen zur Übermittlung aufgegeben hat, ohne dass es ihrerseits zu irgend einer Verheimlichung gekommen wäre. Der Beweis dafür ist allgemein gesprochen der selbe, der schon zuvor die Qualität der Vertrauenswürdigkeit belegt hatte. Denn wenn die Vertrauenswürdigkeit, gemäß unserer Definition, der völlige Gehorsam gegenüber Allah in allen ihren Taten ist, so bleibt die Übermittlung dessen, was Er ihnen befohlen hat, Teil des von Allah Befohlenen und von Seinen Gesandten ohne jede Verkürzung befolgten. Genauso müssen wir diesen drei notwendigen Attributen der Gesandten sowie der Verneinung ihrer Negation den Tatbestand hinzufügen, dass die Gesandten den Beeinträchtigungen der übrigen Menschen ebenfalls unterworfen sind1, wie beispielsweise dem Hunger, der Krankheit, dem Schmerz, der ihnen von anderen zugefügt worden ist etc., vorausgesetzt dass diese Beeinträchtigungen keinen Defekt beinhalten, der den hohen Rang, den die Gesandten genießen, vermindern würde. Dies beinhaltet eine Tugend, die sich aus der fortwährenden Erinnerung daran ergibt, dass dieses weltliche Leben wenig Wert besitzt; diese Erinnerung führt zur brennenden, dauernden Sehnsucht, Allah im nächsten Leben zu sehen. Denn Allah – gepriesen sei Er! – sagt: „Wahrlich, jede Stunde, die kommt, wird besser für dich sein, als die, die ihr vorausging.“ (Ad-Duha, 4)

Um diese Betrachtung der Natürlichkeit der Gesandten abzuschließen, müssen wir ein letztes Element hinzufügen. Es ist die Erklärung, dass die Muslime zwischen den Gesandten keinen Unterschied machen, gemäß dem qur’anischen Vers, der besagt: „Wir machen keinen Unterschied zwischen Seinen Gesandten” (Al-Baqara, 285)

Der einzige Unterschied ergibt sich daraus, dass jeder der vorausgegangenen Gesandten zu seinem eigenen Volk geschickt worden war; Muhammad, der Friede und Segen Allahs seien auf ihm, ist jedoch allen Menschen geschickt worden; somit ist seine Botschaft die letzte und letztgültige, die bis ans Ende der Zeit gültig sein wird.

Die doppelte Bezeugung In der doppelten Aussage des ersten Pfeilers des Islam lautet die zweifache Bezeugung: Aschhadu an lâ ilaha illa Allah, wa asch-hadu anna Muhammadan rasulu’Llah – Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist. Darin ist alles bisher Ausgeführte enthalten. Teil der Größe dieser Bezeugung ist die große Anzahl von Bedeutungen, die so wenige Worte enthalten. Deshalb ist diese Doppelaussage – Asch-Schahadatain – für den, der sie ausspricht, das Kennzeichen des Islam. Tritt man in den Islam ein, so wird keine andere Bezeugung dabei akzeptiert. Aus diesem Grund raten die Weisen den Gläubigen ihre Zeit mit dem Dhikr (Ausspruch und Erinnerung) dieses Satzes auszufüllen. Denn der Prophet, der Friede und Segen Allahs seien auf ihm, sagte: „Das Beste, was wir – ich selbst, wie auch die Propheten, die mir vorausgingen – sagten, ist: ‘Lâ ilaha illa Allah wahdahu lâ scharika la’ (Es gibt kein Gott außer Allah, alleine und ohne Partner)“, wie Imam Malik es in seiner Muwatta überliefert.

Nach der Darlegung des islamischen Glaubens gelangen wir nun zur Definition der drei Elemente, die unseren Din (Lebensweise) ausmachen.

Islam (Die Ergebung) Der Islam ist der Gehorsam der sieben Organe gegenüber Allah (der Zunge, des Gehörs, der Sicht, des Magens, der Hände, der Füße und der Genitalien). Wenn alle Organe gehorchen, so ist der Islam vollständig. Nichtsdestotrotz ist der Islam unvollständig, wenn nur manche der Organe gehorchen; gar nicht vorhanden ist er jedoch, wenn die Zunge das Aussprechen der obengenannten zweifachen Bezeugung verweigert. Die Säulen des Islam, das heißt die verpflichtenden Grundlagen, auf die er begründet ist, sind fünf an der Zahl: Die zweifache Bezeugung (Asch-Schahadatain): Sie enthält eine zweifache Aussage, die verstanden und angenommen werden muss. Diese Säule stellt die unverzichtbare Grundlage dar, auf der die Gültigkeit der folgenden vier Säulen beruht. Das Gebet (As-Salat): Es besteht in der korrekten Ausführung der fünf Pflichtgebete. Die Reinigung des Vermögens (Az-Zakat): Die Bezahlung einer bestimmten Steuer gemäß des festgesetzten Minimums eines vorhandenen Vermögens, bestehend aus Gold und Silber, Vieh und Ernten. Diese Steuer ist zur Verteilung an die acht Kategorien derjenigen bestimmt, die berechtigt sind diese Zakat zu empfangen. Das Fasten (As-Sijam): Das Fasten im Monat Ramadan, wenn man von der ersten Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nicht isst, trinkt, raucht und keinen Geschlechtsverkehr hat. Die Pilgerreise (Al-Hadsch): Sie besteht darin – wenn man dazu in der Lage ist – einmal im Leben zum Hause Allahs, der Ka’aba, in Mekka und auf die Ebene von Arafat zu reisen.

1 Hier sprechen wir vom Erlaubten (Dscha’iz) im Hinblick auf die Gesandten Allahs, Friede sei mit ihnen.

(iz)Von ‘Ali Laraki, Madrid