Iman (Das Vertrauen) Der Iman gründet auf dem festen Glauben an: • Allah: Wir glauben an Seine Existenz, Unendlichkeit, Einheit usw., gemäß dem Beginn dieser Darstellung, wo insbesondere das Notwendige, Unmögliche und Mögliche behandelt wird, was man im Hinblick auf Allah – gepriesen sei Er! – sagen kann. • Die offenbarten Bücher (Al-Kutub): Wir glauben, dass es sich um Allahs ewiges Wort handelt, das Allah einigen Seiner Gesandten gegeben hat. Wir glauben, dass alles, was diese Bücher enthalten, wahr ist. • Die Gesandten (Ar-Rusul): Wir glauben an die Gesandten gemäß dem bisher Gesagten, wo insbesondere das Notwendige, Unmögliche und Mögliche im Hinblick auf sie behandelt wird. Ohne einen vor dem anderen zu bevorzugen und indem man ihnen den hohen Respekt zuteil werden lässt, den sie verdienen. Allah gebe ihnen allen Frieden. • Die Engel (Al-Malâ’ika): Wir glauben, dass sie Diener Allahs sind, die Ihm nicht ungehorsam sind. Sie sind Allahs Botschafter unter Seinen Geschöpfen und behandeln diese, wie Er es ihnen befiehlt. Alle Nachrichten, die sie von ihrem Herrn bringen, sind absolut wahr.1 • Die Auferstehung (Al-Ba’th): Wir glauben, dass die Auferstehung der Toten eine Wirklichkeit ist, die zweifellos stattfinden wird. Wir werden unsere Gräber verlassen, um für unsere Handlungen Rechenschaft abzulegen. • Das Schicksal (Al-Qadar): Wir glauben, dass geschieht, was Allah vor der Schöpfung verfügt hat und dass etwas, das Er nicht verfügt hat, niemals geschehen kann. Alles Gute und Schlechte der Schöpfung geschieht durch das Göttliche Schicksal. • Die Brücke (As-Sirât): Es handelt sich um eine Brücke über das Feuer, die die Diener überqueren müssen. Manche werden sie rasch überqueren, andere langsamer, wieder andere wiederum werden sie nicht überqueren können und ins Feuer stürzen. Es ist notwendig, an die Existenz und Wirklichkeit dieser Brücke zu glauben. • Die Waage (Al-Mizân): Wir glauben an die Existenz dieser Waage, die aus zwei Schalen und einem Zeiger besteht; mit ihr werden die Taten der Diener gewogen. Man muss betonen, dass die Vorstellung, wonach ein Zeigerausschlag zu den guten Handlungen die Erreichung des Gartens, der Ausschlag zu den schlechten Handlungen jedoch das Feuer bedeute, unrichtig ist. Auch wenn unsere Handlungen des Gehorsams wie Berge aufragen gegenüber einer einzigen Handlung des Ungehorsams, so bleiben wir doch stets dem Willen Allahs unterworfen; denn Allah kann uns für eine ungehorsame Handlung bestrafen und uns für alle gehorsamen Handlungen belohnen, oder Er kann uns unsere ungehorsamen Handlungen vergeben. Beim Aufstellen der Bilanz (Hisab) wird der Diener erkennen, welche seiner gehorsamen Handlungen angenommen worden sind, welche der ungehorsamen ihm vergeben wurden und für welche er bestraft wird. Wenn diese Handlungen danach auf der Waage gewogen werden, so wird der Diener das Ausmaß der Belohnung (Thawab) erkennen, die ihm für seine angenommenen Handlungen (Ta’at) des Gehorsams zusteht. Ebenso wird er das Ausmaß der Strafe (‘Iqab) für die ungehorsamen Handlungen, die ihm nicht vergeben werden (Mudschalafat), erkennen. • Das Becken des Propheten (Haud An-Nabi): Dies ist ein Brunnen, den Allah dem Propheten, der Friede und Segen Allahs seien auf ihm, gegeben hat; sein Wasser ist weißer als Milch und süßer als Honig. Vom Brunnen des Propheten trinken nur die Mitglieder seiner Gemeinschaft. Wer von diesem Brunnen trinkt, wird nie wieder Durst verspüren. • Der Garten (Al-Dschanna) und das Feuer (An-Nâr): Wir glauben, dass sie wirklich sind und auf diejenigen warten, denen Allah seinen Lohn oder seine Qual geben wird. Im Garten bleibt jeder Genuss so intensiv wie er von Anfang an verspürt worden ist. Hier in dieser Welt verringert sich jeder Genuss und, indem er vergeht, verkehrt er sich sogar in Schmerz. Dies zeigt, dass diese Welt nicht dafür geschaffen wurde, um unsere Sehnsucht nach Genuss zu stillen, denn die Genüsse befriedigen uns nicht wirklich, sondern ermüden uns. Im Garten Eden jedoch bleibt uns jeder Genuss so, wie wir ihn von Anfang an erfahren haben. Deshalb sagt man, dass das menschliche Wesen gemacht worden ist, um im Garten zu leben, denn dort ist der einzige Ort, wo unser Streben nach Genuss im Absoluten seine Erfüllung findet. Dies gilt besonders beim höchsten und intensivsten der Genüsse, der Schau des Antlitzes von Allah. Demgegenüber bleibt der Schmerz im Feuer der Hölle unaufhörlich, ohne dass seine Bewohner sich ihm anpassen könnten, weil Tod und Ohnmacht, die sie dem Schmerz entreißen könnten, nicht existieren. Aller Schmerz ist wie in seinem ersten Moment seines Erscheinens – Oh Allah, beschütze uns vor dem Feuer! Genauso müssen wir beachten, dass derjenige, der innerhalb des Glaubens des Islam stirbt, auch wenn er sich aufgrund ungehorsamer Handlungen ins Feuer begeben und eine bestimmte Zeit dort verbleiben muss, nicht ewig im Feuer bleiben wird. Die einzigen, die ewig im Feuer bleiben werden, sind diejenigen, die nach dem Erhalt der Botschaft des Islam diese abgelehnt haben: „Wahrlich, jene, die ungläubig sind unter dem Volk der Schrift und den Götzendienern, werden im Feuer der Hölle sein, um darin zu bleiben. Sie sind die schlechtesten der Geschöpfe.“ (Al-Bajjina, 6) Man kann also davon ausgehen, dass der Iman oder die Qualität des Mumin (Gläubigen) nur von denjenigen erreicht wird, die an das zuvor Gesagte glauben, da die Fuqaha (die Rechtsgelehrten) jeden als Gläubigen bezeichnen, der an Allah und an die Gesandten glaubt.
Ihsan (Die innere Verbesserung) Die Bedeutung von Ihsan liegt in der innerlich korrekten Ausführung der Handlungen der Anbetung, versehen mit Aufrichtigkeit (Ikhlâs), Demut (Khuschû’), Konzentration (Farag Al-Bal) und dem Bewusstsein für den Angebeteten (Muraqaba Al-Ma’bud). Ibn Dschuzaj bezeichnet Ihsan als „Fiqh des Inneren“. Während der Fiqh im äußeren Sinn zum Beispiel die korrekte Ausführung der Körperorgane während des Gebetes behandelt, um einen korrekten Islam zu erreichen, zeigt uns Tasawwuf (der Sufismus)2 oder der „innere Fiqh“ die angemessenen Zustände des Herzens, die die Handlungen der Anbetung begleiten sollten, um Ihsân zu erreichen. Diese Vervollständigung der Anbetung erst verwirklicht das menschliche Wesen vollkommen, das überhaupt nur geschaffen wurde, um seinen Schöpfer anzubeten. Ihsan besteht aus zwei Ebenen. Die erste, die der anderen übergeordnet ist, betrifft das Herz des Betenden, das sich der Wirklichkeit Allahs so bewusst ist, als ob es Ihn mit seinen eigenen Augen sähe. Die zweite besteht im Bewusstsein des Betenden, dass Allah ihn ständig bei allem beobachtet, was er tut. Beide Ebenen führen dazu, dem Angebeteten die Demut (Khuschu’) zu erweisen, die der Größe und Majestät des Schöpfers zusteht. Damit erlangt der Gläubige ein tiefes Wissen (Ma’arifa) von Ihm. Somit ist unsere Höflichkeit (Adab) gegenüber dem Angebeteten, dass wir, auch wenn wir Ihn nicht sehen, damit fortfahren, Seine Anbetung korrekt zu vollziehen, denn Er hört keinen Augenblick auf, uns zu sehen. Diese drei Aspekte – Islam, Iman und Ihsan – sind die drei Ebenen unseres Dins (Lebensweise), deren Ursprung in dem berühmten Hadith Dschibrîls, Friede sei mit ihm, zu finden ist, als er dem Propheten, der Friede und Segen Allahs seien auf ihm, vor seinen Gefährten mehrere Fragen stellte, um ihnen ihren Din zu erläutern. O Allah, segne unseren Meister Muhammad, Deinen Diener, Propheten und Gesandten, den ungelehrten Propheten, seine Familie und seine Gefährten, und gewähre ihnen Frieden. Preis sei deinem Herrn, Der Erhaben ist über das, was sie Ihm zuschreiben, und Friede sei mit den Gesandten, und der Lobpreis gebührt Allah, dem Herrn der Welten.

1 Alles, was bisher über den Glauben an die Bücher, die Gesandten und Engel gesagt wurde, ist allgemein gesprochen. In konkreter und besonderer Hinsicht meint dies jedoch die Bücher, Gesandten oder Engel, die ausdrücklich im Qur’an genannt sind. Mit anderen Worten glauben wir beim Beispiel der Gesandten allgemein an alle Gesandten, die von Allah geschickt wurden und besonders an diejenigen, die von Allah im Qur’an genannt sind. Somit ist jemand, der an ein Buch, an die Engel oder an die Gesandten, wie sie im Qur’an genannt werden, nicht glaubt, kein Muslim. Die Muslime glauben also an Moses und Jesus, sowie an Muhammad und glauben sowohl an die Thora und das Evangelium, wie auch an den Qur’an. Allerdings glauben wir, dass die Versionen von Thora und Evangelium, in ihrer heutigen Form, manipuliert worden sind. 2 Man muss sich von den Ansichten gewisser Ignoranten nicht beirren lassen, die behaupten, der Tasawwuf (der Sufismus) hätte mit Islam nichts zu tun. Nichts wäre weiter von der Wahrheit entfernt. Die sunnitischen Ulama haben in aller Klarheit festgestellt, dass Tasawwuf eine der Wissenschaften des Islam ist. Natürlich beziehen wir uns auf den Sufismus eines Dschunaid (Abul Qasim Al-Dschunaid, der Imam der Sufis), der sich in vollkommener Übereinstimmung mit der islamischen ‘Aqida (Glauben) und Schari’a (Gesetz) befindet.

(iz)  Ali Laraki, Madrid